Ich bin unsichtbar
Mein Leben mit einer unsichtbaren Behinderung
Ein ganz normaler Mensch?
Wenn ich jemandem begegne, dann denkt derjenige ich wäre ein Mensch wie jeder andere. Von außen nimmt man mich als „normalen“ Menschen wahr, aber in meiner Brust schlägt nur ein halbes Herz. Dadurch ist mein Alltag für mich viel schwerer und anstrengender zu absolvieren als für die meisten gesunden Menschen. Aber weil man das nicht sieht, denkt man da wäre nichts.
Mein Schulalltag
Meine Probleme mit vielen Mitschülern
Das merke ich auch in der Schule. Mein Nachteilsausgleich, den ich brauche, um den Schultag ohne Kreislaufprobleme zu schaffen, wird von einigen Mitschülern mehr als „Vorteil“ gesehen. Als wäre ich ein „VIP“. Obwohl der eigentliche Grund schon im Namen „NACHTEILsausgleich“ steht.
Dazu kommen auch noch respektlose Bemerkungen, oder es wird sich über mich lustig gemacht. Das sind meistens „kleine Scherze“, bei denen ich mich manchmal frage, wie viel Spaß da wirklich hintersteckt. Ich habe nichts dagegen mal einen kleinen Witz zu machen, ich gehe auch teilweise humorvoll damit um, aber diese Bemerkungen kommen fast schon täglich, sodass ich mich in manchen Situationen nicht als vollwertiger Mensch behandelt fühle.
Was ich auch fast täglich hören muss ist, wie das Wort Behindert als Beleidigung benutzt wird. Selbst wenn es nicht gegen mich verwendet wird, tut es weh, das zu hören, weil man so einen Teil, der mich beschreibt, als eine Beleidigung verwendet.
Besonders früher war es schwierig auf Spielplätzen oder auf dem Schulhof. Da man mir meine Behinderung nicht ansieht, sind die anderen Kinder davon ausgegangen, dass ich so spielen und toben kann wie sie. Spätestens als ich gesagt habe, dass ich das nicht kann, sind sie mir oft aus dem Weg gegangen, weil einfach viel Verständnis in dem Alter fehlt.
Zudem ist es für mich sehr schwierig, mich vor oder nach einem Termin in meiner betreuenden Klinik auf die Schule zu konzentrieren. Manche Lehrer geben mir trotzdem Aufgaben mit, obwohl mir klar ist, dass ich das nicht schaffe, weil die Termine psychisch immer sehr belastend sind. Man weiß nie, ob es gute oder schlechte Nachrichten gibt und ob vielleicht die Medikamente noch geändert werden müssen. Viele Mitschüler können das nicht verstehen und regen sich dann auf, ich sei faul und solle mich nicht so anstellen. Ich habe mittlerweile aufgehört mit denen zu diskutieren, weil ich weiß, dass das nichts ändert.
Wegen dieser Sachen wünsche ich mir manchmal, man würde mir meine Behinderung ansehen. Vielleicht würden solche Bemerkungen nicht mehr in meiner Gegenwart kommen und ich müsste mich nicht ständig rechtfertigen.
Meine Erfahrungen mit Lehrern und Freunden
Andererseits bin ich froh, dass man mir meine Behinderung nicht ansieht, weil immer noch das Vorurteil existiert, dass Menschen mit Behinderung „dumm“ sind. Das ist mein Vorteil, weil ich so nicht unter diesem Vorurteil leide und nicht für dumm gehalten werde und es ist eine Frechheit, dass dieses Vorurteil noch existiert, weil nicht jede Behinderung auch das Denken beeinträchtigt. Im Gegenteil, ich mache aktuell mein Abitur. Dabei werde ich von vielen verständnisvollen Lehrern unterstützt, die manchmal vorsichtiger sind, als sie sein müssten, aber ich bin dennoch sehr zufrieden. Außerdem habe ich mittlerweile einen kleinen Freundeskreis, der mir auch bei vielem hilft und sehr verständnisvoll ist. Das ist mir sehr wichtig und ich bin so froh, dass ich mich bei meinen Freunden und Lehrern nicht immer rechtfertigen muss.
Fazit
Obwohl es weniger so aussieht, überwiegen dennoch die positiven Aspekte. Natürlich belastet mich das Verhalten der Mitschüler, aber die Unterstützung und das Verständnis der Lehrer und besonders das meiner Freunde geben mir so viel Kraft, dass die schlechten Aspekte nicht mehr so belastend sind. Durch die Lehrer und meine Freunde kann ich einen angenehmen Schulalltag erleben. Ich wünsche mir wirklich, dass sehr früh über unsichtbare Behinderungen und Behinderungen allgemein informiert werden würde.
PS: Vielleicht ist dir mal eine Person mit einem Sonnenblumen-Schild oder Band begegnet. Das ist das Zeichen für unsichtbare Behinderungen.
Verfasser des Blogbeitrags
Dieser Blogartikel wurde von Phillip (Name geändert), einem von nestwärme begleiteten Jugendlichen, geschrieben. Wir sagen Danke für den sehr berührenden Einblick.
sehr schön erläutert lieber Philip 😉 Das mit der Sonnenblume wusste ich gar nicht. Da habe ich mal wieder was gelernt. Schade, dass manche Kinder so reagieren. Ich bin froh dich kennengelernt zu haben. Bleib wie du bist und das noch ganz lange. <3
Dein Beitrag berührt und regt zum Nachdenken an. Danke, Phillip, dass du deine Erfahrungen teilst und damit Sichtbarkeit schaffst, wo oft keine ist. ????