Kopfhörer auf - nestwärme an

Mit dem Hörbuch zu „nestwärme schafft Perspektiven – Unser starkes Netzwerk für Familien in Not“ bekommt die Geschichte von nestDas neue nestwärme Kinderhospiz steht kurz vor der Eröffnung. Ich war schon dort – als Mitarbeiterin, aber vor allem als Mama. Und ich habe gemerkt: Für unsere Familie entsteht hier nicht einfach ein neues Haus. Es entsteht ein Ort, mit dem wir sehr viele Hoffnungen verbinden. Auf Entlastung. Auf Leichtigkeit. Auf Begegnung. Und auch auf ein Stück Freiheit. wärme eine neue Stimme. Eigentlich sogar mehrere. Vor allem aber erzählt sie davon, was möglich wird, wenn Menschen Verantwortung füreinander übernehmen.
Plötzlich steht es einfach da
Klar kannte ich die Pläne, habe den Bau verfolgt, an manchen Stellen sogar mitgedacht – will sagen: Ich wusste natürlich, dass dort dieses Haus entsteht. Und trotzdem hat es mich fast umgehauen, wirklich hineinzugehen.
Plötzlich steht es da. Das nestwärme Kinderhospiz. In seiner organischen Form, mit vielen Fenstern, großen Zimmern und dem Blick hinaus in die Natur. Ich ging durch den Wohnbereich und dachte immer wieder: Hier werden bald wirklich Familien sein. Hier wird in Kürze gelacht, gegessen, gespielt, gepflegt, geredet und geschlafen. Vielleicht gestritten. Bestimmt auch geweint.
Dieses Haus wird bald nicht mehr neu und still sein. Es wird mit Leben gefüllt.
Einen kurzen Dämpfer bekam meine Vorstellungskraft, als ich den Raum der Stille betrat. Denn dort kam plötzlich dieser Gedanke: Wird Fine irgendwann hier liegen? Nicht als großer dramatischer Moment. Der Gedanke war einfach da. Und er war traurig.
Aber natürlich gehört das dazu. Krankheit, Abschied, Sterben und Tod dürfen an diesem Ort Platz haben. Auch.
Viel mehr denke ich an das Leben
Viel mehr denke ich beim nestwärme Kinderhospiz aber an das Leben. Ich denke an Entlastung. Und an Freiheit. Daran, dass Familien dort vielleicht einmal durchschlafen können. Dass die Kinder gut versorgt sind. Dass auch die Kinder und Jugendlichen selbst in ihrer Freizeit die Möglichkeit haben, einander zu begegnen.
Aber ganz ehrlich: Ich denke auch daran, einmal einfach alleine zu Hause zu sein. Ohne Fine. Ohne Pflegekraft. Ohne Helfer. Ohne dass jemand ein- und ausgeht. Ohne zu organisieren, wer wann kommt und was noch vorbereitet werden muss. Einfach zu Hause sein. Oder mit Freunden unterwegs.
Denn wenn Freunde heute fragen: „Kommt ihr mit?“, beginnt in meinem Kopf oft sofort eine ganze Kette an Überlegungen: Geht das? Wenn ja, wie lange? Was müssen wir mitnehmen? Welche Hilfsmittel können wir entbehren? Was ist mit Nahrung, Medikamenten, Pflegeutensilien? Mit Fine unterwegs zu sein bedeutet eben zuallererst Planung.
Und plötzlich gibt es da diese Vorstellung: Ein Kurztrip nach Köln? Klar. Fine ist im Hospiz. Sie ist gut versorgt. So wie andere Kinder auch einfach mal bei Freunden oder bei Oma und Opa sind.
Bei uns ist dieses „einfach mal“ oft nicht möglich. Nicht, weil wir Fine nicht loslassen wollen, sondern weil ihre Versorgung zumindest über längere Zeit nicht einfach von jedem übernommen werden kann. Deshalb fühlt sich ein Aufenthalt im Hospiz für mich auch nach einem an: nach Möglichkeiten.
Und dann sind da natürlich auch die Begegnungen. Wir freuen uns darauf, andere Familien zu treffen. Menschen zu begegnen, deren Alltag vielleicht anders aussieht als unserer – und die trotzdem manches sofort verstehen. Auch Fines Schwester freut sich schon jetzt darauf, andere Geschwister kennenzulernen oder wiederzusehen. Auf Rumhängen, Basteln und Ausflüge mit Jugendlichen, die manche Dinge verstehen, ohne dass viel erklärt werden muss.
Wir tragen nicht alles alleine
Vor allem für Familien aus der Region kann das Hospiz ein Ort werden, an den man immer wieder kommt. Für ein paar Tage. Für eine Pause. Für ein bisschen Luft. Für Familien mit weiterer Anreise wird es vielleicht eher ein Ort für längere Auszeiten.
Natürlich wird es dort auch schwere Momente geben. Sehr schwere wahrscheinlich. Aber eben nicht nur. Vielleicht war ich deshalb nach meinem Besuch so beseelt. Nicht weil ich glaube, dass dort alles immer nur schön sein wird. Das wäre nur die halbe Wahrheit und würde der Realität von Familien wie unserer nicht gerecht werden.
Sondern weil ich gespürt habe, was dieser Ort einmal sein kann: ein Haus, in dem Leben stattfindet. Ein Ort für Entlastung. Ruhe. Nähe. Zeit. Und manchmal vielleicht auch einfach für die Möglichkeit, für einen Moment nicht alles gleichzeitig tragen zu müssen. Und vor allem nicht allein.
Viele Hoffnungen sind für uns mit diesem Haus verbunden. Und vielleicht ist genau das mein stärkstes Gefühl nach diesem ersten Besuch:
Dieses Hospiz ist kein Ort für das Ende.
Es ist ein Ort für all das Leben davor.
Was ist der „Raum der Stille“
Der Raum der Stille ist ein geschützter Ort des Abschieds. Wenn ein Kind oder Jugendlicher im Kinderhospiz verstirbt, kann es dort noch eine Zeit lang bleiben. Ein spezielles Kühlbett ermöglicht es den Familien, nicht unter Zeitdruck Abschied nehmen zu müssen.
Angehörige können in ihrem eigenen Tempo bei ihrem Kind sein, es berühren, Erinnerungen schaffen, gemeinsam wachen oder einfach still beieinandersitzen. Auch Geschwister, Großeltern und andere nahestehende Menschen haben hier die Möglichkeit anzureisen und sich auf ihre ganz persönliche Weise zu verabschieden.
Der Raum schenkt Familien vor allem eines: Zeit. Zeit zum Begreifen, zum Erinnern und zum Abschiednehmen.
