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Inklusion auf Spielplätzen – Realität oder Wunschtraum? 

Ein Junge mit Beeinträchtigung sitzt auf einem Spielgerät

Mein Sohn hat sich vor einigen Wochen eine schwere Ellbogenverletzung zugezogen. Dadurch war er zwischenzeitlich körperlich eingeschränkt und konnte seinen einen Arm fast nicht benutzen. Das führte unter anderem dazu, dass wir deutlich weniger Zeit als sonst auf Spielplätzen verbrachten, da es kaum Aktivitäten gab, die er dort machen konnte. Nun ist das natürlich für einen begrenzten Zeitraum kein Drama, wir haben schnell Alternativen gefunden. Es führte mir jedoch mal wieder deutlich vor Augen, wie sehr Spielplätze sich fast ausschließlich an gesunde Kinder richten. Für Kinder mit Beeinträchtigungen, egal welcher Art, gibt es kaum Angebote. Und dann habe ich mal reflektiert wann ich das letzte Mal ein Kind im Rollstuhl, ein Kind mit Sehbehinderung oder anderer sichtbarer Beeinträchtigung gesehen habe – ich kann mich ehrlich gesagt nicht erinnern.  

Inklusive Spielplätze sind kaum vorhanden 

Ich erinnere mich aber an einen Urlaub im letzten Jahr; wir waren ein paar Tage in einem kleinen Ferienpark. In Sichtweite unserer Ferienwohnung war eine als „inklusiv“ ausgezeichnete Schaukel.  Mein erster Gedanke war: „Das ist ja toll!“ Ich sah mir also das Gerät genauer an, eine barrierefreie Schaukel für Menschen mit Rollstuhl oder Rollator. Eigentlich eine super Sache. Doch dann fiel mir auf: Diese Schaukel steht ungefähr 400 Meter weit weg (und nicht in Sichtweite) vom regulären Spielplatz. Hier können also Kinder im Rollstuhl schaukeln – aber weit weg von anderen Kindern. Die Schaukel ist demnach zwar barrierefrei, aber nicht inklusiv. Denn Inklusion würde bedeutet, dass Kinder mit und ohne Beeinträchtigung gemeinsam spielen können. “Wie schade”, dachte ich.  

Doch es ist mehr als schade. Für Kinder mit Beeinträchtigung ist das eine Katastrophe. Sie werden ausgeschlossen, ausgegrenzt, haben auch hier nicht dieselben Möglichkeiten wie andere Kinder. Und das, obwohl gerade gemeinsames Spielen so essenziell für Kinder ist. Und die gesunden Kinder? Auch für sie ist es mehr als schade, weil sie die Begegnung mit Kindern mit Beeinträchtigung nicht haben, von denen sie so viel lernen könnten.  

Studie zu Inklusion auf Spielplätzen 

Nach der Erfahrung mit meinem Sohn wollte ich es genauer wissen. Ich recherchierte also etwas im Internet zu dem Thema und fand diese Studie von Aktion Mensch aus dem Jahr 2023.* Das Ergebnis der Studie: Nur 21,3 Prozent der Spielplätze in Deutschland weisen inklusive Merkmale auf. In Rheinland-Pfalz sind es sogar nur 17,5 Prozent. Und das bedeutet nur, dass dort in Teilbereichen das gemeinsame Spielen von Kindern mit und ohne Behinderung möglich ist. Es bedeutet nicht, dass sie im Gesamten inklusiv sind, bzw. dass dort alle Kinder teilhaben können.  

Besonders bitter sieht es für Menschen mit einer Sehbehinderung aus. Weniger als 0,2 Prozent haben ein Leitsystem für Menschen mit Sehbeeinträchtigung oder andere taktile Hilfen wie Geländer oder farbliche Kontraste auf Zuwegung oder Spielflächen. 

Auch das Thema barrierefreie Anbindung/Parkplätze und Toiletten schneiden schlecht ab. Häufig sind sogar die Böden nicht rollstuhlgerecht. Das betrifft natürlich auch Kinder, deren Eltern eine entsprechende Behinderung haben. 

Was bedeutet denn eigentlich Inklusion auf Spielplätzen? 

Erstmal: Es bedeutet natürlich nicht, dass jedes Kind jedes Spielgerät nutzen können muss. Aber es bedeutet eben, dass für alle Kinder mit ihren individuellen Bedürfnissen ein Spielangebot vorhanden sein muss. Wie zum Beispiel ein bestimmtes Schaukeln oder ein Gerät, das das Gleichgewicht oder die Motorik stärkt. Auch Rampen, Haltegriffe auf verschiedenen Höhen, Leitsysteme für Menschen mit Sehbehinderungen, befahrbare Wege usw. helfen, Inklusion herzustellen und das gemeinsame Spielen von allen Kindern zu ermöglichen.  

Inklusiver Spielplatz auf Petrisberg in Trier geplant 

Im Zusammenhang mit dem Bau des nestwärme Hauses mit Kinderhospiz plant auch nestwärme einen inklusiven Spielplatz. Also einen echten Ort der Begegnung, bei dem alle Kinder zusammen spielen können. Es gibt hierzu zum Glück bereits Handlungsempfehlungen, die bei Planung und Umsetzung sicher hilfreich sind.  


Zusätzlich würden wir aber gerne von euch, besonders den Eltern von Kindern mit Beeinträchtigung, wissen, was ihr euch wünschen würdet. Was sind eure Erfahrungen mit inklusiven (oder eben nicht inklusiven) Spielplätzen? Was fehlt euch bislang oder was sind absolute No-Gos? Wenn ihr eure Erfahrung mit uns teilen möchtet, schreibt mir eine Mail an blog@nestwaerme.org. Ich bin schon sehr gespannt!  


*Quelle: Studie „Inklusion auf Spielplätzen in Deutschland“ der Aktion Mensch 2023

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